Technische Rettung aus LKW – Schritt für Schritt

Eine seltene Gelegenheit wurde für den Ausbildungsdienst am letzten Donnerstag beim Schopfe gefasst: Auf dem Betriebsgelände eines Vechelder Fuhrunternehmens wurde an einem auf der Autobahn 2 verunfallten LKW realitätsnah geübt.

Meist stehen den Feuerwehren nur Altfahrzeuge bzw. unverformte Fahrzeuge für Übungen zur Verfügung – das hat mit der bei Einsätzen mit in Fahrzeugen eingeklemmten Personen vorgefundenen Realität vielfach nicht viel zu tun. Bei dem als Totalschaden eingestuften Übungsfahrzeug war das Führerhaus stark verformt. Der Feuerwehr Peine war es zwar nach dem Unfall auf der A2 gelungen den Kraftfahrer mit geringem technischem Aufwand schnell zu befreien – nun wurde aber für unseren Ausbildungsdienst eine schwere Einklemmung des Kraftfahrers angenommen. Die zur Befreiung erforderlichen Maßnahmen wurden Schritt für Schritt, also für alle anwesenden Einsatzkräfte nachvollziehbar, durchgeführt.

Zunächst erklärte ein als Kraftfahrer bei dem Fuhrunternehmen beschäftigter Kamerad an einem direkt neben dem Unfallfahrzeug stehenden baugleichen MAN-LKW Typ TGS 6x2*4 die sicherheitstechnischen Einrichtungen, mögliche Festpunkte, die Möglichkeiten das Fahrzeug spannungsfrei zu schalten, die Kraftstoffzuleitung zu unterbrechen und das Abstellen des Motors mittels eines CO2-Feuerlöschers.

Ehe mit hydraulischem Werkzeug gearbeitet wurde, mussten die Standardschritte von den Besatzungen der Einsatzfahrzeuge durchgeführt werden: LKW sichern mit Radkeilen, Brandschutz mit C-Rohr und Pulverlöscher sicherstellen, Batterien abklemmen, Einsatzstelle ausleuchten, Geräteablageplatz aufbauen, inneren Retter einsetzen.

Erst danach wurden wiederum Schritt für Schritt gemäß der Vorgaben des „Rettungsleitfaden Truck – MAN Truck & Bus“ die erforderlichen Maßnahmen zur direkten Befreiung des Kraftfahrers aus seiner Zwangslage eingeleitet: Aufbau der Rettungsplattform vor der Frontscheibe um diese zu entfernen, Betreuung des Kraftfahrers durch die nun verfügbare Öffnung, Fixierung des Fahrerhauses mit Spanngurten. Danach wurde die Fahrertür gegen Herabstürzen gesichert und anschließend mittels hydraulischem Spreizer entfernt.

Nach einer umfänglichen Einweisung in die nun erforderlichen Maßnahmen, um den Vorbau nach vorn zu drücken und damit die eingeklemmten unteren Extremitäten des Kraftfahrers zu befreien, wurden die dafür erforderlichen Schnitte und die Rettungszylinder gesetzt: Schweller mit Spreizer gestaucht, V-förmigen Schwellerschnitt gesetzt und diesen vertieft, entfernen von Handgriffen, A-Säulenschnitt, horizontaler Einbau eines passenden Rettungszylinders zwischen A- und B-Säule.

Mittels eines mehrstufigen hydraulischen Rettungszylinders konnte ausreichend Platz im Fußraum hergestellt werden um den Kraftfahrer zu befreien. Um den Rettungszylinder mittels einer patientenschonenden Rettung mit einem Spineboard wieder entfernen zu können wurde ein zweiter Rettungszylinders zwischen Cockpitquerträger und Dachrahmen eingesetzt.

Übung macht den Meister … Anstrengend ist die Arbeit mit dem „schweren“ hydraulischen Rettungsgerät des Rüstwagens. Nicht alles funktionierte reibungslos – aber, deshalb trainieren wir! Und beim Training darf man auch mal etwas ausprobieren. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht.

Die Feuerwehr Vechelde-Wahle bedankt sich beim Fuhrunternehmer für die Bereitstellung des Fahrzeuges und wünscht den immer noch im Krankenhaus liegenden Kraftfahrer eine baldige Genesung.

Weitere Fotos von der Ausbildung finden Sie in unserer Bildergalerie (auf das Foto klicken).


Text: Michael Hanne