Wohnhausbrand: Mit aggressivem Innenangriff Durchzündung verhindert

Datum: Dienstag 20.12.2011 um 19:21
Alarmierungsart: DME
Dauer: 2 Stunden 29 Minuten
Einsatzart: Brand > F3
Einsatzort: Groß Gleidingen: Wiedenkamp
Fahrzeuge: ELW 1, HLF 20/16, DLK 23/12, TLF 16/25, RW 1
Weitere Kräfte: Bettmar, Fachgruppe Verpflegung, Groß Gleidingen, Liedingen, Sierße-Fürstenau


Einsatzbericht:

Mit aggressivem Innenangriff Durchzündung verhindert

 

Mit dem Stichwort „Feuer 2 – verdächtiger Rauch“ wurde der Feuerwehrschwerpunkt Vechelde/Wahle um 19:21 Uhr von der Integrierten Regionalleitstelle Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel zu einem Brandereignis in der Straße Wiedenkamp in Groß Gleidingen alarmiert. Dank eines aggressiv vorgetragenen Innenangriffs durch 2 Trupps unter Pressluftatmer, ergänzt durch ein schnell vorgenommenes C-Rohr im Außenangriff, konnte die Durchzündung und damit der Totalschaden vermutlich in „letzter Minute“ verhindert werden.

Mehrfach hatten die aktiven Einsatzkräfte des Feuerwehrschwerpunktes Vechelde/Wahle (VW) in diesem Jahr die taktisch richtige Vorgehensweise bei Wohnungsbränden, insbesondere das Zusammenwirken der Teileinheiten, geübt – nun die Bewährung im Ernstfall:

Nach der Alarmierung rückte der Löschzug (Einsatzleitwagen, Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug und Drehleiter) mit 15 Einsatzkräften um 19:27 Uhr nach Groß Gleidingen aus. Wenig später folgten das Tanklöschfahrzeug und der Rüstwagen mit weiteren 11 Einsatzkräften. Um 19:32 Uhr traf der Löschzug, fast zeitgleich mit der Ortsfeuerwehr (OrtsF) Groß Gleidingen, am Einsatzort ein. Die erste Erkundung des Zugführers ergab, dass eine Doppelhaushälfte stark verraucht war. Der Rauch drückte bereits durch die Dachüberstände und durch die Dachziegel. Sofort wurde ein Trupp im Innenangriff eingesetzt. Im Erdgeschoss konnte durch den Einsatz der Wärmebildkamera sehr schnell die Brandstelle lokalisiert werden: Der Wand- und Deckenbereich hinter und oberhalb eines Kaminofens. Dieser Einsatzbereich wurde zügig abgelöscht und an den 2. eingesetzten Trupp, der von der OrtsF Groß Gleidingen gestellt wurde, übergeben. Der Trupp der Ortsfeuerwehr VW ertastete nun in der dicht verrauchten Wohnung den Weg in das Obergeschoss. Das Feuer hatte sich durch die Wand bereits in die Abseite und die Dachschräge des Schlafzimmers im 1. OG „durchgefressen“. Hier musste die Wandverkleidung gewaltsam geöffnet werden, um wirkungsvoll löschen zu können.

Der Zugführer stellte im Laufe der weiteren Erkundung fest, dass auf der Gartenseite des Gebäudes bereits eine kleine Flammentwicklung und pulsierender Rauchaustritt sichtbar war. Hier wurde das 3. Rohr im Außenangriff gerade zu dem Zeitpunkt erfolgreich eingesetzt, als der austretende Rauch durchzündete. Offensichtlich hat das „Abschlagen“ der Flammen im Außenangriff mit der gleichzeitigen gewaltsamen Öffnung der Wand im 1. OG zum Löscherfolg beigetragen.

Parallel zu diesen Maßnahmen wurde von der Besatzung des Tanklöschfahrzeuges eine leistungsfähige Wasserversorgung aus weiter entfernt liegenden Hydranten aufgebaut und die Drehleiter in Stellung gebracht. Mittels eines 4. C-Rohres wurden der Dachüberstand im Giebelbereich und im Bereich der Schlafzimmergaube vom Atemschutztrupp der Drehleiter aus abgelöscht.

Da eine Durchzündung nicht ausgeschlossen werden konnte und um weitere Reserven an Atemschutzgeräteträgern zu bilden, wurde das Einsatzstichwort auf „Feuer 3“ erhöht. Dies führte zur Nachalarmierung des Feuerwehrstützpunktes Bettmar, der OrtsF Sierße/Fürstenau und Liedingen und der OrtsF Köchingen und Wierthe als Verpflegungskomponente.

Im Innenangriff wurden nun die Löschmaßnahmen auch im Dachgeschoss fortgesetzt. Bis hierhin hatte sich das Feuer unterhalb der Dachhaut ausgebreitet. Weitere Wände mussten geöffnet werden.

Über die Gebäuderückseite gingen nun weiterer Trupps über eine angebaute Garage vor. Mittels des Einsatzes mehrerer Steckleitern konnten die Dachbereiche, die von der Drehleiter nicht erreicht werden konnten, geöffnet werden. Ein 5. C-Rohr wurde hier für Nachlöscharbeiten eingesetzt.

Im Laufe des Einsatzes wurden 3 Atemschutztrupps des Feuerwehrschwerpunktes VW eingesetzt. Ein Trupp wurde nach Flaschenwechsel erneut eingesetzt. Weitere PA-Trupps wurden von der OrtsF Groß Gleidingen (1x) und Bettmar (2x) gestellt. Diese mussten Wandverkleidungen entfernen. Weitere Sicherheitstrupps standen einsatzbereit vor dem Gebäude. Die Besatzung des in Vechelde stationierten Rettungswagens stand ebenfalls in Bereitstellung.

Im Einsatzleitwagen des Feuerwehrschwerpunktes wurde eine Befehlsstelle eingerichtet die ständigen Kontakt mit der Leitstelle und den eingesetzten Einheiten hielt und die Einsatzdokumentation durchführte.

Hinsichtlich der Brandursache müssen die polizeilichen Ermittlungen abgewartet werden. Offensichtlich ist aber, dass die Brandursache in einer nicht vorschriftenkonformen Rauchrohrdurchführung durch eine Fachwerkwand liegt.

Der Schaden am Gebäude und an der Inneneinrichtung wird auf 100.000 Euro geschätzt. Betroffen ist eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern (5 Jahre und 5 Monate). Diese fand zunächst Unterkunft bei den Eltern. Vor der OrtsF Groß Gleidingen wurde bis 01:00 Uhr eine Brandwache gestellt.

Noch vor Ort wurde eine Einsatznachbesprechung durchgeführt. Mängel am Einsatzablauf wurden nicht festgestellt, allerdings wurde die räumliche Enge im Straßenbereich beklagt. Durch die Anbindung des Doppelhauses an eine Stichstraße musste für den Drehleitereinsatz zunächst ein Einsatzfahrzeug umgesetzt werden. Auch das Einbiegen der Drehleiter in die Stichstraße war nur mit viel Rangierarbeit möglich. Dabei wurden ein Zaun und der Blinker der Drehleiter beschädigt.

Resümee:

Es muss immer wieder festgestellt werden, dass die Bildung einer tages- und nachtalarmsicheren Einheit in Form des Feuerwehrschwerpunktes Vechelde/Wahle die richtige Entscheidung war. Fast 30 Einsatzkräfte, davon die Hälfte atemschutztauglich, standen zur Verfügung.

Die in diesem Ausbildungsjahr immer wieder geübten Standardabläufe tragen Früchte. Die Verbesserung der technischen Ausstattung, in diesem Fall insbesondere die gute Schutzkleidung, die Drehleiter und die Wärmebildkamera, haben erheblich zum Einsatzerfolg beigetragen. Ebenso hat sich die Bildung der Verpflegungskomponente erneut bewährt. Heißgetränke und Bockwurst erhöhen zweifelsfrei die Motivation der Einsatzkräfte.

Die Zusammenarbeit zwischen den eingesetzten Ortsfeuerwehren bzw. den Führungskräften, der Polizei, dem Rettungsdienst und der Leitstelle war unter der Leitung des Gemeindebrandmeisters Peter Splitt optimal.

MHanne