Falsch abgebogen – PKW von ICE geschreddert

Datum: Samstag 26.03.2022 um 20:33
Alarmierungsart: App, DME
Dauer: 4 Stunden
Einsatzart: Hilfeleistung > H ZUG-2Y
Einsatzort: Bahnstrecke: Braunschweig – Hildesheim
Einsatzleiter: OrtsBM Vallstedt/Alvesse
Fahrzeuge: ELW 1, HLF 20/16, DLK 23/12, TLF 16/25, RW 1
Weitere Kräfte: Bahnerdungsgruppe Lengede, Bundespolizei, FwSP Vallstedt/Alvesse, NEF (BF Braunschweig), Notfallmanager (DB), OrgL Peine, OrtsF Bodenstedt, OrtsF Köchingen, OrtsF Vechelade, OrtsF Wierthe, Polizei, RTW Vechelde (ASB Peine)


Einsatzbericht:

Abbiegen wollte Sie wohl in den Lietweg in Alvesse – tatsächlich fuhr die Fahrerin eines PKW (Chevrolet) jedoch ins Schotterbett der Bahnlinie Braunschweig-Hildesheim. Als aus Braunschweig ein ICE nahte, konnte die Fahrerin nur noch ihren PKW verlassen und zusehen, wie dieser von einem ICE erfasst und über 700 Meter halb unter dem Triebkopf des ICE mitgeschliffen und dabei förmlich geschreddert wurde. Da der Zug auf einer ca. 15 Meter hohen Rampe zum Stehen gekommen war, kann nur von Glück gesprochen werden, dass der Triebkopf mit dem Fahrwerk auf der Schiene blieb und es zu keiner Entgleisung kam.

Der in der Integrierten Regionalleitstelle Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel (IRLS) zuerst eingelaufene Notruf war offensichtlich wenig präzise, sodass zunächst nur der Feuerwehrstützpunkt Vallstedt/Alvesse mit dem Stichwort H ZUG-1 alarmiert wurde. Im Rahmen der Ersterkundung konnte aufgrund der Zertrümmerung allerdings nicht festgestellt werden, ob sich noch Personen im PKW befinden – deshalb wurde vom Einsatzleiter das Einsatzstichwort auf „H-ZUG-2Y“ erhöht (in Klarschrift „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person, PKW allein beteiligt“). Auf Basis der Alarm- und Ausrückordnung der FF Vechelde wurden daraufhin von der IRLS nachalarmiert: Feuerwehrschwerpunkt Vechelde/Wahle, der Löschverbund Süd, ein Notarzt-Einsatzfahrzeug aus Braunschweig, ein Rettungswagen, sowie auf direkte Anforderung die Bahnerdungseinheit der Feuerwehr Lengede und aufgrund einer Nachforderung später auch die Fachgruppe Verpflegung der FF Vechelde.

Schnell vor Ort verfügbar war die Landespolizei, die Bahnpolizei und der Notfallmanager der Deutschen Bahn. So konnten die Einsatzmaßnahmen am Einsatzleitwagen unserer Feuerwehr koordiniert werden. Da aufgrund der Information der PKW-Fahrerin zu diesem Zeitpunkt endgültig feststand, dass sich keine weiteren Personen im PKW befanden, konnten sich die Arbeiten auf die Evakuierung des ICE konzentrieren. Dazu wurde ein Einsatzabschnitt unter Leitung des Ortsbrandmeisters unserer Feuerwehr gebildet.

Da die Batterie-Stromversorgung des ICE relativ schnell nicht mehr funktionierte, wurde der anfangs abgeschaltete Bahn-/Fahrstrom auf Veranlassung des Notfallmanagers wieder eingeschaltet. Damit konnte der bekannte ICE-Komfort für die Fahrgäste wieder hergestellt werden.

Zur Vorbereitung der Evakuierung wurde die vorgesehene Ausstiegsstelle mit der Drehleiter (als Lichtmast) ausgeleuchtet und eine Rettungsplattform als Ausstiegshilfe positioniert. Leider ist es der Bahn nicht gelungen, die für den Abtransport der Fahrgäste erforderlichen Omnibusse für die über 300 Zuginsassen zu ordern. Deshalb musste umdisponiert werden. Nach mehrstündiger Vorlaufzeit konnte schließlich ein leerer ICE auf dem Nebengleis anfahren und so positioniert werden, dass mit Hilfe einer im ICE mitgeführten Brückenkonstruktion ein Umstieg der Fahrgäste mit Unterstützung unserer Einsatzkräfte möglich war.

Für unsere Einsatzkräfte war der Einsatz danach beendet – die Einsatzzeit betrug ca. vier Stunden. Die Bergung des PKW obliegt der Bahn und ist keine Feuerwehraufgabe.