Dachstuhlbrand

Datum: Freitag 24.06.2016 um 17:08
Alarmierungsart: DME
Dauer: 5 Stunden 52 Minuten
Einsatzart: Brand > F2
Einsatzort: Bortfeld: Katzhagen
Fahrzeuge: ELW 1, HLF 20/16, DLK 23/12, TLF 16/25
Weitere Kräfte: Fachgruppe Verpflegung


Einsatzbericht:

Verlust des Daches des Bauernhausmuseums trotz schnellem Drehleitereinsatz

Mit dem Stichwort F2 und der Bemerkung „Dachstuhlbrand“ wurden die Einsatzkräfte des Feuerwehrschwerpunktes Vechelde-Wahle zur Unterstützung der Ortsfeuerwehr Bortfeld und einem Rettungswagen der Rettungswache Vechelde (ASB Peine) von der Integrierten Regionalleitstelle Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel alarmiert.

Die alarmierten Einsatzkräfte rückten mit der Drehleitergruppe, bestehend aus ELW 1, DLK 23/12 und TLF 16/25, nach Bortfeld aus. Das HLF 20/16 und der RW 1 verblieben aufgrund der Unwetterwarnung und zu erwartender Paralleleinsätze im Feuerwehrhaus.

Bereits auf der Anfahrt wurde von der zuerst eingetroffen Ortsfeuerwehr Bortfeld eine erste Lagemeldung abgegeben: Das Dach des Bauernhausmuseums brannte nach einem Blitzschlag – es wurde die Alarmierung aller Ortsfeuerwehren der Gemeinde Wendeburg angefordert.

Die Drehleitergruppe wurde von einer Einsatzkraft in Empfang genommen und zur Einsatzstelle geführt. Vor Ort erfolgte für den Zugführer Vechelde-Wahle eine kurze Lageeinweisung durch den Einsatzleiter der Feuerwehr Bortfeld. Die Einsatzfahrzeuge wurden taktisch sinnvoll aufgestellt. Die Drehleiter wurde dabei auf einer kleinen Straße (Katzhagen) in Stellung gebracht und der Wenderohrbetrieb wurde schnellstmöglich vorbereitet. Nach den Erfahrungen einer Alarmübung im vergangenen Jahr mit der Ortsfeuerwehr Bortfeld wurde dem Tanklöschfahrzeug Vechelde-Wahle zügig eine Löschwassereinspeisung über zwei B-Leitungen zur Verfügung gestellt. Das Wasser wurde dabei aus einer Zisterne und dem Stichkanal gefördert.

Der Zugführer ordnete den sofortigen Einsatz von Netzwasser über das Wenderohr der Drehleiter an. Dafür wurde ein Zumischer in der Speiseleitung der Drehleiter gesetzt und Schaummittelkanister bereitgestellt. Mit einer Zumischrate von1% wurde dem Löschwasser Schaummittel zugemischt, somit konnte von Anfang an Netzwasser über das Wenderohr und später über das handgeführte Korbrohr zur Brandbekämpfung eingesetzt werden. Bereits 4 Minuten nach der Ankunft an der Einsatzstelle wurde Wasser über die Drehleiter abgegeben – vorrangig wurde der Dachfirst mit dem Wenderohr abgelöscht.

Trotz des massiven Einsatzes von Netzwasser drang nur wenig Wasser in das Reet ein. Das Dach erfüllte somit trotz der Brandnester im Reet seine Aufgabe weiterhin – es leitete Wasser hervorragend ab. Daher musste versucht werden das Dach zu öffnen. Zeitgleich wurden die restlichen Dachflächen durch Einsatzkräfte der Gemeindefeuerwehr Wendeburg mit mehreren C- und B-Rohren mit Wasser feucht gehalten – immer wieder auftretenden Flammen wurden sofort abgelöscht. Es erfolgte parallel ein Innenangriff – hierbei wurde auch ein Trupp des Tanklöschfahrzeuges unter Atemschutz eingesetzt.

Das Öffnen der Dachhaut gestaltete sich aufgrund der besonderen Konstruktion des Reetdaches als äußerst schwierig. In mühsamer Handarbeit mussten Reetbüschel aus der Drahtkonstruktion gezogen werden. Da diese Arbeiten sehr anstrengend waren musste der Korbführer bereits nach kurzer Zeit abgelöst werden. Da Anfangs nur zwei atemschutztaugliche Drehleiterführer zur Verfügung standen (Zugführer und der eingesetzt Korbführer) musste der Zugführer seine Funktion mit dem Drehleiterführer tauschen. Unter Einsatz einer Maske mit Kombinationsfilter wurde weiter aus dem Korb versucht die Dachhaut zu öffnen. Hierzu wurden verschiedenste Werkzeuge genutzt, unter anderem kam ein Einreißhaken, ein Bolzenschneider, eine Kabelschere, eine Säge und weitere Geräte zum Einsatz. Da vom zuerst gewählten Standort der Drehleiter die Rückseite des Gebäudes nicht erreicht werden konnte, wurde die Drehleiter im Einsatzverlauf versetzt. Dazu musste das Tanklöschfahrzeug der Ortsfeuerwehr Bortfeld ebenfalls versetzt werden. Im Einsatz war teilweise auch unsere Wärmebildkamera – sowohl im Innenangriff als auch über die Drehleiter.

Zur Nachführung weiterer Drehleiterführer/-maschinisten wurden noch einmal die digitalen Meldeempfänger der Einsatzkräfte des Feuerwehrschwerpunktes durch die Leitstelle ausgelöst. Mit dem HLF 20/16 rückten mehrere Drehleiterführer zur Einsatzstelle nach. Von der Einsatzleitung wurde zu dem die Verpflegungsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Vechelde, bestehend aus den Ortsfeuerwehren Köchingen und Vechelade, alarmiert. Diese stellte die Versorgung der Einsatzkräfte mit warmen und kalten Getränken sowie Bockwurst und Müsliriegeln sichern.

Da mit der Drehleiter nicht die komplette Dachfläche erreicht werden konnte, wurde durch die Einsatzleitung die Rüststaffel der Berufsfeuerwehr Braunschweig, bestehend aus einem Führungsdienst (B-Dienst), dem Feuerwehrkran und einem Wechselladerfahrzeug mit Abrollbehälter Rüst, angefordert. Mit dem Kran und einem Arbeitskorb sollte die Dachhaut geöffnet werden. Da der Arbeitskorb momentan jedoch nicht einsatzbereit ist und auch keine Anschlagpunkte am Dach für einen Kraneinsatz (öffnen der Dachhaut) vorhanden waren rückten die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr bereits nach kurzer Zeit wieder ein.

In einer Lagebesprechung wurde abgestimmt das Dach komplett mit Schwerschaum zu bedecken. Des Weiteren wurde eine Fachfirma mit einem Bagger zum Einreißen der Dachhaut angefordert. Über das Wenderohr wurde mittels eines Kombischaumrohres die vordere Seite des Daches komplett mit Schwerschaum bedeckt und bereits geschaffene Löcher mit Mittelschaum gefüllt.

Aus Vechelde rückte eine Fachfirma mit einem Bagger und einem speziellen Einreißhaken, der anstelle einer Schaufel am Baggerarm adaptiert werden kann, an. Mit Hilfe des Baggers wurde das Reetdach stückweise eingerissen. Durch die Drehleiter wurden von oben aufflammende Glutnester direkt gelöscht. Am Boden wurde das heruntergerissene Reet durch mehrere Rohre abgelöscht.

Der Einsatz war für die Einsatzkräfte des Feuerwehrschwerpunktes Vechelde-Wahle nach ca. 6 Stunden Arbeit um 23:00 Uhr beendet. Im Feuerwehrhaus mussten jedoch die Einsatzfahrzeuge noch wieder einsatzbereit gemacht werden.

Trotz des schnellen Einsatzes der Drehleiter konnte durch die kompakte und besondere Konstruktion des Reetdaches ein Verlust des Daches nicht verhindert werden.

Text: Martin Hanne