Unklare Lage auf Bahnstrecke – umfangreiche Suche nach vermeintlicher Person

Datum: Sonntag 27.09.2026 um 19:42 Uhr
Alarmierungsart: AlarmApp, DME
Dauer: 1 Stunde 40 Minuten
Einsatzart: Hilfeleistung > H ZUG-2Y
Einsatzort: Bahnstrecke 1730: Braunschweig – Hannover
Einsatzleiter: EL Sierße/Fürstenau
Fahrzeuge: ELW 1, HLF 20/16, RW 1
Weitere Kräfte: Bundespolizei, ELW 2 LK Peine, FwSp Bettmar, OrtsF Liedingen, OrtsF Sierße/Fürstenau, Polizei, RTW (BF BS), RTW (JUH BS)


Einsatzbericht:

Am heutigen Sonntag wurden wir durch die Integrierte Regionalleitstelle Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel gemeinsam mit den Feuerwehren des Löschverbundes West zu einem Einsatz auf der Bahnstrecke Braunschweig–Hannover alarmiert. Gemeldet wurde eine vermeintliche Person unter einem Zug.

Neben den Feuerwehren waren zwei Rettungswagen aus Braunschweig und ein Notarzteinsatzfahrzeug aus Peine, der Einsatzleitwagen 2 der Kreisfeuerwehr Peine, die Bundespolizei, der Notfallmanager der Deutschen Bahn sowie die Landespolizei im Einsatz.

Bereits die Anfahrt gestaltete sich aufgrund der zunächst unklaren Lage besonders. Ein Zug in Fahrtrichtung Braunschweig stand zwischen dem ehemaligen Bahnübergang an der B65 und dem Bahnübergang Sierße und blockierte dabei den Bahnübergang Sierße vollständig. Eine Überfahrt für die Einsatzfahrzeuge war dort somit nicht möglich.

Nach Rücksprache mit der zuerst eingetroffenen Ortsfeuerwehr Sierße-Fürstenau wurde die Anfahrt deshalb aufgeteilt: Unsere Kräfte fuhren über Wahle an die Einsatzstelle heran, während die weiteren Einheiten den Bereich von Sierße aus anfuhren.

Vor Ort begann zunächst die Erkundung des betreffenden Streckenabschnitts. Die Situation war zu diesem Zeitpunkt weiterhin äußerst unübersichtlich. Hinzu kam, dass eine bestätigte Sperrung der Bahnstrecke zunächst noch nicht vorlag. Ein Betreten des Gleisbereichs war deshalb nur unter größter Vorsicht beziehungsweise erst nach entsprechender Freigabe möglich. Die Sicherheit der eingesetzten Kräfte hatte hierbei oberste Priorität.

Schwierige Situation während der ersten Einsatzphase

Während dieser ohnehin angespannten Anfangsphase wurden Einsatzkräfte am Bahnübergang von anwesenden Personen lautstark aufgefordert, „endlich etwas zu machen“ und nicht lediglich herumzustehen.

Was für Außenstehende in einem solchen Moment möglicherweise wie Untätigkeit aussieht, ist jedoch ein zwingender Bestandteil eines sicheren Einsatzes: Solange nicht zweifelsfrei feststeht, dass der Bahnverkehr eingestellt und der betreffende Streckenabschnitt gesperrt ist, können Einsatzkräfte nicht einfach den Gleisbereich betreten. Ein herannahender Zug stellt auch für Feuerwehr- und Rettungskräfte eine erhebliche Lebensgefahr dar.

Die lautstarken Zurufe sorgten in der ohnehin unklaren und dynamischen Situation für zusätzlichen Druck. Darauf wurde unsererseits mit sehr deutlichen Worten reagiert. Für die dabei gewählte deutliche Tonlage möchten wir uns entschuldigen. Gleichzeitig bitten wir um Verständnis: Wenn möglicherweise ein Menschenleben gefährdet ist und gleichzeitig die Sicherheit der eigenen Einsatzkräfte gewährleistet werden muss, benötigen diese ihre volle Konzentration für ihre Aufgaben.

Lage verändert sich – Einsatzkräfte werden verlegt

Im Zuge der weiteren Erkundung stellte sich schnell heraus, dass nicht der zunächst im Bereich Sierße stehende Zug in Fahrtrichtung Braunschweig für die ursprüngliche Meldung relevant war. Vielmehr betraf die Meldung einen Zug in Fahrtrichtung Hannover, der sich zwischen dem Bahnhof Vechelde und dem ehemaligen Bahnübergang an der B65 befand.

Damit verlagerte sich der Einsatz auf einen anderen Streckenabschnitt.

Die Rüstgruppe Vechelde-Wahle verlegte daraufhin zum Bahnhof Vechelde. Die weiteren Einsatzkräfte fuhren den ehemaligen Bahnübergang an der B65 sowie den Bereich der Brücke am Verkehrsknoten B1/B65 an. Von mehreren Punkten aus wurden die betroffenen Streckenabschnitte anschließend systematisch und umfangreich abgesucht und ausgeleuchtet.

Im Gleisbereich wurden dabei mehrere Gegenstände beziehungsweise Teile festgestellt. Die weiteren Ermittlungen und die Bewertung dieser Funde wurden durch die Bundespolizei übernommen.

Zwischenzeitlich sorgte der Fund eines Baseballcaps im Bereich eines auf einem Nebengleis stehenden Güterzuges noch einmal für erhöhte Aufmerksamkeit. Der betreffende Bereich wurde daraufhin erneut intensiv abgesucht. Auch hierbei ergaben sich jedoch keine Hinweise auf eine verletzte Person.

Gemeinsam mit der Bundespolizei wurden weitere auffällige Bereiche kontrolliert und relevante Feststellungen dokumentiert beziehungsweise Beweismittel gesichert. Zusätzlich wurde zur weiteren Kontrolle der Bahnstrecke ein Hubschrauber angefordert.

Für die Feuerwehr bestätigte sich die ursprüngliche Meldung glücklicherweise nicht: Es konnte weder eine verletzte Person noch ein verletztes Tier im Gleisbereich festgestellt werden.

Nach rund eineinhalb Stunden wurden die Feuerwehrkräfte aus dem Einsatz entlassen und konnten wieder in ihre Feuerwehrhäuser einrücken.

Der Einsatz hat erneut gezeigt, wie komplex Einsatzlagen im Bereich von Bahnanlagen sein können. Wenn die genaue Örtlichkeit und die tatsächliche Lage zunächst unbekannt sind, müssen Erkundung, Kommunikation und insbesondere die Sicherung des Bahnverkehrs sorgfältig koordiniert werden.

Auch wenn dadurch für Außenstehende manchmal der Eindruck entstehen kann, es gehe nicht schnell genug voran: Bevor Einsatzkräfte einen Gleisbereich betreten, muss sichergestellt sein, dass sie dort nicht selbst in Lebensgefahr geraten.