Datum: Montag 13.10.2025 um 16:08 Uhr
Alarmierungsart: AlarmApp, DME
Dauer: 9 Stunden
Einsatzart: Brand > B 2
Einsatzort: Groß Gleidingen: Heideweg
Einsatzleiter: EL Groß Gleidingen
Fahrzeuge: ELW 1, HLF 20/16, DLK 23/12, TLF 16/25, RW 1, MTF 1, MTF 2
Weitere Kräfte: Fachgruppe Verpflegung, FwSp Vallstedt Alvesse, LV Ost, OrtsF Sierße/Fürstenau, RTW (DRK Peine), RTW Vechelde (ASB Peine)
Einsatzbericht:
Mit dem Stichwort B2 wurden die Einsatzkräfte des Feuerwehrschwerpunktes Vechelde-Wahle, zusammen mit den Feuerwehren des Löschverbundes Ost und einem Rettungswagen der Rettungswache Vechelde (ASB Peine), von der Integrierten Regionalleitstelle Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel um 16:08 Uhr zu einem Brand auf der Terrasse eines Einfamilienhauses in der Straße Heideweg in Groß Gleidingen alarmiert.
Mit HLF 20/16 und DLK 23/12 rückten die Einsatzkräfte zur Einsatzstelle aus. Etwas zeitverzögerte folgte der ELW 1.
Beim Eintreffen der ersten Einheiten brannte es auf der überdachten Terrasse des Hauses. Das Feuer konnte durch zwei vorgenommene C-Rohre schnell gelöscht werden, allerdings hatte das Feuer bereits auf das Dach übergegriffen. An mehreren Stellen, besonders im Firstbereich, drang dunkler Brandrauch nach außen.
Da für eine effektive Brandbekämpfung die Dachhaut geöffnet werden musste, wurden mögliche Aufstellflächen für die Drehleiter erkundet. Während dieser Erkundungsmaßnahmen wurde eine möglicherweise asbesthaltige Dacheindeckung festgestellt und dem Einsatzleiter gemeldet.
Aufgrund der Erfahrungen aus einem vergangenen Einsatz mit Asbestfreisetzung im Jahr 2022 wurden dem Einsatzleiter Maßnahmen durch unseren Zugführer empfohlen:
- Rückzug aller nicht benötigten Einsatzkräfte aus dem Gefahrenbereich.
- Ausstattung aller Einsatzkräfte im Gefahrenbereich mit FFP2/FFP3 Masken.
- Nachforderung eines Fachberaters z. B. der Gemeindeverwaltung
Um die Drehleiter in Stellung bringen zu können musste die Grundstückbegrenzung (Doppelstabmattenzaun) mittels Akkutrennschleifer entfernt werden.
Danach konnte die Drehleiter im Garten in Stellung gebracht werden und die Löschmaßnahmen sowie die Öffnung des Daches eingeleitet werden.
Zwischenzeitlich kam es zu sichtbaren Flammenschlag und dichtem pulsierenden Rauch aus dem Dachbereich.
Die Kommunikation und Dokumentation des Einsatzes wurde im Auftrag des Einsatzleiters vom ELW 1 übernommen.
Aufgrund der Rauchentwicklung, in Verbindung mit dem Asbestverdacht, Richtung Spielplatz und Wohngebiet wurde eine Warnmeldung an die Bevölkerung per Rundfunk und MoWaS (Modulares Warn System, z.B. Warnapps Nina und Biwapp) über die Leitstelle veranlasst. Durch die Polizei wurden Lautsprecherdurchsagen in dem betroffenen Bereich ausgeführt.
Der stellv. GBM fuhr die Einsatzstelle an und unterstützte den Einsatzleiter vor Ort.
Die Drehleiterbesatzung arbeitete dauerhaft unter Atemschutz (Filter und Pressluftatmer). Da noch mit einer längeren Arbeitszeit zu rechnen war, wurde, um genügend Drehleitermaschinisten und -führer verfügbar zu haben, ein erneuter Vollalarm für die Ortsfeuerwehr Vechelde/Wahle angefordert.
Durch eine Einsatzkraft die hauptberuflich in der Gemeindeverwaltung arbeitet wurde ein weiterer Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung mit einer speziellen Ausbildung im Bereich Asbest zur Einsatzstelle bestellt. Gemeinsam mit dieser Fachkraft wurde die Einsatzstelle bewertet, der weitere Umgang mit der Asbestkontamination abgestimmt und eine Beprobung der Dacheindeckung durchgeführt.
Das gesamte Grundstück wurde als Gefahrenbereich definiert. Der Straßenabschnitt vor dem Grundstück wurde ebenfalls als gefährdet eingestuft.
Alle Gerätschaften und Fahrzeuge in diesem Bereich wurden als kontaminiert betrachtet.
Es wurde ein Dekontaminationsplatz eingerichtet. Hier entkleideten sich die eingesetzten Atemschutzgeräteträger bzw. die im Gefahrenbereich eingesetzten Einsatzkräfte. Unterstützt wurden sie hierbei von besonders ausgerüsteten Einsatzkräften.
Sämtliche kontaminierten Geräte und PSA wurden luftdicht verpackt um diese anschließend von einer Fachfirma reinigen zu lassen.
Die Verpflegung der Einsatzkräfte wurde durch die Fachgruppe Verpflegung sichergestellt.
Um die Kontaminationszeit gering zu halten und eine Kontaminationsverschleppung zu verhindern wurde im Feuerwehrhaus Vechelde/Wahle ein Duschbetrieb eingerichtet.
Die an der Einsatzstelle entkleideten und mit Trainingsanzügen bekleideten Einsatzkräfte wurden in das Feuerwehrhaus Vechelde/Wahle transportiert. Dort konnten alle Einsatzkräfte duschen. Anschließend wurden die „sauberen“ Einsatzkräfte mittels Shuttleservice (MTWs) in die jeweiligen Heimatstandorte bzw. direkt nachhause gefahren.
Während dieser laufenden Maßnahmen war eine kontinuierliche Brandbekämpfung über die Drehleiter und über einen Innenangriff nötig. Mehrere Trupps unter Atemschutz wurden hierzu eingesetzt.
Gegen 17:40 Uhr meldete die Einsatzleitung „Feuer aus“, der Innenangriff wurde nach mehreren Kontrollen mittels Wärmebildkamera beendet und es wurde die geordnete Räumung der Einsatzstelle geplant.
Während der Aufräumarbeiten wurde gegen 18:10 Uhr erneut eine Rauchentwicklung im Dachbereich festgestellt. Sofort wurde wieder ein Trupp unter Atemschutz sowie die Drehleiter mit der Brandbekämpfung beauftragt.
Für den Transport der kontaminierten Ausrüstung wurde die Ortsfeuerwehr Sierße/Fürstenau und die FTZ Peine angefordert.
Alle betroffenen Fahrzeuge wurden auf dem Waschplatz am Feuerwehrhaus Vechelde-Wahle mittels Hochdruckreiniger grob gereinigt.
Die letzten Einsatzkräfte beendeten den Einsatz um 1:00 Uhr nachts – 9 Stunden nach Einsatzbeginn!
An den folge Tagen waren weitere umfängliche Arbeiten nötig, um die Einsatzbereitschaft wieder herzustellen:
- Fahrzeuge und Feuerwehrhäuser mussten gereinigt werden
- Fahrzeuge wieder bestückt werden
- umfängliche Dokumentationsarbeiten durchgeführt werden
- u. v. m.
Am Freitag konnte die Gemeindeverwaltung mitteilen, dass im Rahmen der Beprobung der im Gefahrenbereich eingesetzten Fahrzeuge kein Asbest nachgewiesen wurde,
Somit konnte unsere Drehleiter in einem kurzfristig angesetzten Gerätepflegedienst gereinigt werden. Nach der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft konnte sie wieder in den Status 2 gesetzt werden.
Die Einsatzabwicklung ist noch nicht beendet – so müssen noch weitere Dokumentationsmaßnahmen und Nachbesprechungen durchgeführt werden.
Ein bei der Alarmierung vermeintlich kurzer Einsatz der uns doch längere Zeit forderte.

